Die Tendenz
Interpretationenn, Analysen, Blickwinkel des Gedichts “Tendenz” von Heinrich Heine
Das Gedicht “Die Tendenz” von Heinrich Heine ist als Spottgedicht und Abrechnung mit der zur Zeit des Vormärz in Deutschland vorkommenden “Tendenzliteratur” anzusehen. Diese Gattung der Literatur ist durch das Bestreben zur Zerstörung des alten Systems gekennzeichnet und bedient sich einer propagandistisch aufgeladener Sprache. Der Begriff “Tendenzliteratur” steht für eine eindeutige politische oder ideologische Ausrichtung und wird seit je her abwertend gebraucht.
Das Gedicht weist vier Verse auf. Heine verdeutlicht die Sprache der “Tendenzliteratur” in den jeweils letzten Zeilen der ersten drei Verse. Er spricht davon, dass “in Marseillerhymnenweise” die Taten durch Dichter beeinflusst werden sollen, ein deutlicher Bezug auf die Französische Revolution. “Rede Dolche, rede Schwerter!” weist Heine seine Mitdichter an. “Blase, schmettre, donnre, töte!” lautet der Aufruf, den die revolutionären Dichter beherzigen sollen.
Betrachtet man aber die letzten beiden Zeilen des vierten und letzten Vers, so hält Heine den Lyrikern der “Tendenzliteratur” mit seinem Gedicht den Spiegel vor: “Aber halte deine Dichtung / Nur so allgemein als möglich.” Die Aufrufe der Dichter sind nur aufgeladene Worthülsen, die zwar freiheitlich und revolutionär klingen, in ihren Worten aber viel zu abgehoben und ausgeschmückt sind, um etwas zu bewirken. Ihre abgehobene Sprache lässt sie nicht ernsthaft wirken und so bleiben die Aufrufe harmlos und unverbindlich. Mit diesen beiden letzten Zeilen des vierten Verses schlägt Heine den Bogen von der kraftstrotzenden Sprache im Rest des Gedichtes zu einer ironischen Abrechnung, was durch die Benutzung von eben dieser Sprache, die auch charakteristisch für die “Tendenzliteratur” ist, verdeutlicht wird.