Frühling

von Heinrich Heine

Die Wellen blinken und fließen dahin -
Es liebt sich so lieblich im Lenze!
Am Flusse sitzt die Schäferin
Und windet die zärtlichsten Kränze.

Das knospet und quillt, mit duftender Lust -
Es liebt sich so lieblich im Lenze!
Die Schäferin seufzt aus tiefer Brust:
Wem geb ich meine Kränze?

Ein Reuter reutet den Fluß entlang,
Er grüßt so blühenden Mutes!
Die Schäferin schaut ihm nach so bang,
Fern flattert die Feder des Hutes.

Sie weint und wirft in den gleitenden Fluß
Die schönen Blumenkränze.
Die Nachtigall singt von Lieb und Kuß -
Es liebt sich so lieblich im Lenze!

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4 Kommentare »

  • Ein Reuter reutet!?
    Ein Fohrer fohrt,
    ein Molker molket?
    Heine hatte schon ziemlich einen an der Klatsche!

    Kommentar by Ein Reuter — 7. März 2010 @ 11:26

  • Man muss schon ein bischen darüber nachdenken.
    Wenn man sich Gedanken zum “Frühling” von Heinrich Heine gemacht hat erscheint einem dieser Vers voll lebendiger Poesie – eine Szene aus dem Gedicht, die mit wenigen, dafür aber umso gehaltvolleren Worten einen “Extrakt” all dessen, was die Jahreszeit Frühling symbolisiert, zum Ausdruck bringt.

    Erlebt aus der Perspektive der Schäferin am Ufer des Flusses.

    Mit dem Wort “Fluss” verbindet sich symbolisch der Lauf des Lebens selbst – stets in Bewegung und Wandlung, jeder Moment, jeder Augenblick einmalig und vergänglich, das Element Wasser als Grundlage allen Lebens.

    Die Schäferin selbst überträgt auf der Symbolebene Empfindungen wie Fürsorge und Obhut, Weiblichkeit und Sanftheit.

    Dem gegenüber erscheint der Reiter auf seinem Pferd symbolisch für Kraft und Vitalität, in seinem Ritt folgt er der Bewegung des Flusses.

    Der Gruß des Reiters an die Schäferin überträgt sich mehr als Ausdruck der empfundenen Freude am Leben und allem Schönen, das begegnet, schlechthin, mit dem Wort “blühend” und “Mut” findet sich wieder der unmittelbare Bezug zu den der Jahreszeit Frühling zugeordneten Qualitäten. Die Feder am Hut des Reisenden erinnert an die Freiheit eines Vogels – dieser Reiter folgt seinen eigenen Zielen. Die in der Bangigkeit der Schäferin aufscheinende leise Hoffnung, er möge vielleicht geneigt sein, seinen Ritt zu unterbrechen, um ihr Gesellschaft zu leisten, bleibt unerfüllt.

    Kommentar by Monikul — 7. März 2010 @ 18:47

  • Danke für die kluge Interpretation der Metapher in diesem Gedicht…und vielleicht könnte man den Schreibfehler IM Gedicht verbessern…Ein Reiter reitet den Fluß entlang…dann gibts auch nicht so schwachsinnige Kommentare.

    Kommentar by Hannah, Germany — 23. März 2011 @ 09:38

  • Das mit dem “reuten” ist so eine Sache.
    Das ist kein Schreibfehler sondern ist tatsächlich so.
    Ich gehe davon aus das Heinrich Heine schon “reiten” damit meinte, allerdings gibt es auch andere Bedeutungen:
    zB.: http://de.wikipedia.org/wiki/Rodung
    oder auch http://www.duden-suche.de/suche/trefferliste.php?suchbegriff%5BAND%5D=reuten

    Kommentar by admin — 20. April 2011 @ 20:37

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